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Gerd Bucerius - ein Grenzgänger zwischen Politik, Wirtschaft und Publizistik

Ein "rechter Liberaler" sei er gewesen, "unabhängig und frei", so charakterisiert sein Biograf, Ralf Dahrendorf, den am 19. Mai 1906 in Westfalen geborenen deutschen Verleger Gerd Bucerius - einen in Deutschland seltenen, ungemein erfolgreichen Grenzgänger zwischen Politik, Wirtschaft und Publizistik.

Nachdem Gerd Bucerius in Freiburg, Berlin und Hamburg Rechtswissenschaften studiert und promoviert hat, wird er zunächst Richter in Kiel. Wegen seiner ersten Ehe mit der Jüdin Gretel Goldschmidt, die er schließlich nach England in Sicherheit bringen kann, ist ihm in der NS-Zeit eine Karriere im Staatsdienst verwehrt. Als Rechtsanwalt verteidigt er auch jüdische Mandanten und nimmt dabei keine Rücksicht auf die eigene Situation. Nach 1945 machte Bucerius politische Karriere. Die englische Besatzungsmacht beruft ihn als Bausenator in den Hamburger Senat, und er vertritt die Hansestadt im Frankfurter Wirtschaftsrat. Als "gemeinsamer Bundestagskandidat" von CDU und FDP in Hamburg zieht er 1949 in den ersten deutschen Bundestag ein, dem er bis 1962 angehört. Über vier Legislaturperioden ist er ein unbequemer Abgeordneter.

Sein publizistisches Wirken beginnt 1946, als er DIE ZEIT gründet; hier schreibt der "streitbare Geist" auch immer wieder. Lange Jahre ist die Hamburger Wochenzeitung kaum rentabel, doch gewinnt Bucerius durch die Mehrheitsanteile am "Stern" erhebliches Kapital und gründet 1965 gemeinsam mit John Jahr und Richard Gruner die Gruner & Jahr GmbH & Co. Nach mehrfachen Umschichtungen der Vermögensanteile an der GmbH gehen Bucerius’ Anteile 1972 an die Bertelsmann Gruppe über, wofür er Aktien der Bertelsmann AG erhält. Sein verlegerisches Kernstück, DIE ZEIT, löst er indessen aus den Konzernzusammenhängen und führt sie in den Zeitverlag ein. Als Verleger, Berater und Publizist bleibt er dem Blatt bis zu seinem Tode 1995 eng verbunden. Noch kurz zuvor verfügt er, dass DIE ZEIT zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehen soll, was die ZEIT-Stiftung 1996 vollzieht.

Als Mäzen engagiert sich Bucerius früh in seiner erwählten Heimatstadt Hamburg. Er fördert besonders den deutschen Begabtennachwuchs. Als er am 29. September 1995 verstirbt, vermacht er sein gesamtes Vermögen der gemeinnützigen ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Ralf Dahrendorfs lesenswerte Bucerius-Biografie Liberal und unabhängig. Gerd Bucerius und seine Zeit ist eine "respektvolle Hommage", sie informiert umfassend über Leben und Wirken des Stifters.

Gerd Bucerius im Blick anderer

Gerd Bucerius - Facetten seines Wirkens




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