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Gerechtigkeit in der Krise oder Was ist heute gerecht?
Das 45. ZEIT Forum Wissenschaft in Berlin

Der Philosoph und Politikwissenschaftler Rainer Forst (Universität Frankfurt/M.) unterstrich zu Beginn des 45. ZEIT Forum Wissenschaft: „Es gibt einen Anspruch auf Gerechtigkeit“. Willkür, nicht Freiheit oder Mangel, sei der Gegenbegriff zu Gerechtigkeit, so der Leibniz-Preisträger 2012.
„Gerechtigkeit lässt sich nicht verabsolutieren, hat immer auch mit individuellem Empfinden zu tun. Gerechte Entscheidungen ermöglichen Kontingenz.“ Gerechtigkeit sei eine Frage von Aushandlungsprozessen, argumentierte der schleswig-holsteinische Grünen-Politiker und Autor Robert Habeck. Er beobachtet ein zunehmend monetäres Gerechtigkeitsverständnis. Gerd G. Wagner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, verwies auf das Gefühl wachsender Ungerechtigkeit bei vielen Menschen. Umverteilung sei eine Komponente der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise. Auch wenn viele es als ungerecht empfänden: „Transferzahlungen sind in einer gerechten Gesellschaft notwendig.“ Entscheidungsträger seien zumeist gesellschaftliche Aufsteiger, sie handelten primär aus ihrer Perspektive. Auch deshalb hält der Ökonom das Kriterium der Fairness für hilfreich, um gesellschaftliche Schieflagen zu vermeiden. Rainer Forst forderte eine ausdrücklich auf Inklusion zielende „Gerechtigkeitspolitik“. Privilegien-produzierend Verhältnisse müssten denen gegenüber begründet werden und begründbar sein, die am Rand der Gesellschaft stünden. Gerechtigkeit müsse als diskursiv begriffen werden: „Die gerechte Gesellschaft verändert Strukturen so, dass Ungerechtigkeit möglichst verhindert wird.“

Hören Sie am 23. März 2012 um 19.15 Uhr im Deutschlandfunk den Mitschnitt in der Reihe „Das Kulturgespräch“.


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