Timothy Snyder im Video zu „Europa und Amerika – Das Ende des Westens, wie wir ihn kennen“

Nach dem Impulsvortrag „Der Aufstieg des modernen Autoritarismus in Europa und Amerika“ des Historikers Timothy Snyder, Yale University, diskutierten Karolina Wigura, Kultura Liberalna, Christoph von Marschall, Der Tagesspiegel, und Manfred Sapper, Osteuropa, Snyders Thesen zu den aktuellen politischen Entwicklungen in West und Ost. 

Snyder skizzierte, wie die Politik aktuell funktioniert – als Politik der Unausweichlichkeit, die vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt ausgeht, und als Politik der Ewigkeit, der ein zyklisches Weltbild zugrunde liegt. Seine Thesen verdeutlichen im Zusammenhang mit dem wachsenden Trend zu autoritären Einstellungen, wie stark die liberale Demokratie unter Druck steht. Populistische Einstellungen sind gerade bei Jüngeren verbreitet: So zeigen Befunde des World Values Survey und des European Values Survey, dass junge Menschen in vielen Ländern eher zu radikalen Einstellungen neigen als die Älteren, auch steigt der Anteil radikaler Jugendlicher weiter an. Am deutlichsten ist das in den USA: Sprachen sich 1995 schon 34 % der Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren für eine autoritäre Führung aus, waren es 2011 bereits 44 %. Fanden 1995 nur 7 % eine Militärregierung unterstützenswert, waren es 2011 bereits 16 %.

Der Mitschnitt der Veranstaltung des Deutschen Polen-Instituts und der ZEIT-Stiftung vom Oktober 2018 in Berlin ist hier zu sehen.