Fragen an Prof. Dr. Andreas Hoffmann, Geschäftsführer Bucerius Kunst Forum, Im Interview

2019 war ein aufregendes Jahr für Andreas Hoffmann: der Neubau und Umzug des Ausstellungshauses am Alten Wall ist vollbracht, im Juni wurde er alleiniger Geschäftsführer und mit Kathrin Baumstark hat er eine neue künstlerische Leiterin an seiner Seite. Wir haben den Kulturmanager und Archäologen nach den Herausforderungen im Leben des Geschäftsführers des Bucerius Kunst Forums gefragt:

ZS: Das Bucerius Kunst Forum eröffnete im Juni am neuen Standort. Was sind für Sie die größten Veränderungen dort?
Mit dem neuen Bucerius Kunst Forum ist mitten im Zentrum der Stadt ein neuer, großartiger Ort für alle Künste entstanden. 1000 m² mehr für interdisziplinäre Veranstaltungen und internationale  Ausstellungen mit Blick auf Rathaus und Handelskammer, das ist ein enormer Zugewinn für alle Besucher und eine große Chance für die ZEIT-Stiftung, die das Forum betreibt und finanziert.
Hinter der historischen Fassade des Gebäudekomplexes am Alten Wall hat das Hamburger Architektenbüro von Gerkan, Marg und Partner nicht nur ein hochmodernes Ausstellungshaus entworfen, sondern auch ein architektonisches Juwel geschaffen, das schon heute viele Architekturfans an den Alten Wall lockt.
Mich als Geschäftsführer fasziniert vor allem, wie gut die vier Geschosse die Anforderungen an ein Forum für alle Künste erfüllen: der neue Ausstellungssaal im 1. Obergeschoss mit modernster Licht-, Klima- und Sicherheitstechnik bietet als Herzstück 850 Quadratmeter Fläche auf einer Ebene. Die neue Veranstaltungstage mit ihrem Auditorium und dem Lichthof schafft viel mehr Platz für unser umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Konzerten, Diskussionen sowie Poetry Slams. Im Erd- und Untergeschoss gibt es erweiterte Servicebereiche sowie den neuen, größeren  Bucerius Book Shop. Ein gläsernes Atelier auf Fleethöhe im Untergeschoss steht für das Vermittlungsprogramm und neue Veranstaltungsformate zur Verfügung.Dazu kommen das Parkhaus sowie die Bucerius Passage und die Gräfin Marion Dönhoff-Brücke als neue urbanistische Achse zwischen Rathausinnenhof und Neuem Wall.

ZS: Wofür steht das Bucerius Kunst Forum für Sie?
Das neue Bucerius Kunst Forum hat sich bereits in den ersten Monaten nach der Eröffnung zu einem ungeheuer lebendigen Haus mit zahlreichen neuen Veranstaltungs- und Vermittlungsformaten vom offenen Atelier bis zur Kopfhörerparty entwickelt und  ist vielfältiges Forum für alle Besucher, für alle Generationen und für alle Künste. Es erfüllt seine Bedeutung als wichtiger Ort für die Begnung mit der Bildenden Kunst. Unsere aktuelle und sehr erfolgreiche  Amerika-Ausstellung zeigt, welche Strahlkraft ein liberales und offenes Amerika gerade auch in den Künsten entwickelt hat und macht deutlich, wie wichtig uns das Motto „Offen. Für Kunst. Für Hamburg. Für die Welt‘ ist: Mit seinen internationalen Ausstellungen und den interdisziplinären Veranstaltungen ist das neue Bucerius Kunst Forum ein Ort geworden, an dem zentrale gesellschaftliche und soziale Themen mit einem aktiven Publikum erörtert werden.

ZS: Auf welche Highlights in 2020 freuen Sie sich besonders?
2020 ist für uns ein ganz besonderes Jahr mit drei bedeutenden Ausstellungen. Mit der TATE in London und dem Pariser Centre Georges Pompidou sind im kommenden Jahr gleich zwei der bedeutendsten Kunstinstitutionen in Europa zu Gast. In Zusammenarbeit mit der TATE entsteht eine große David Hockney-Ausstellung im Frühjahr, mit dem Pariser Centre die Georges Braque-Retrospektive im Herbst.
Im Sommer setzt das Ausstellungshaus zudem die von Gründungsdirektor Heinz Spielmann begründete Ausstellungsreihe zum Themenschwerpunkt „Kunst an der Seidenstraße“ fort . In Kooperation mit der Kunsthalle München präsentieren wir mit der Samurai-Sammlung von Ann und Gabriel Barbier-Mueller aus Dallas in Texas eine der bedeutendsten Sammlungen von Samurai-Artefakten weltweit und lassen die spannungsvolle Geschichte des japanischen Rittertums lebendig werden. Aber auch unser Veranstaltungsprogramm kann mit großen Namen aufwarten, musikalisch zum Beispiel mit Avi Avital und Ragna Schirmer.