Als Schleswig-Holsteiner wollten wir eigentlich die erste Osterferienwoche in den Skiurlaub nach Österreich fahren. Daraus wurde ja nun leider nichts. Zwei Wochen vor Ferienbeginn wurde der offizielle „Shutdown“ erklärt und meine beiden Töchter (11 und 13 J.) hatten das Vergnügen, ihre Schulaufgaben fortan per Mail von den Lehrern gestellt zu bekommen. Schnell zeigte sich, dass die beiden sehr eigenmotiviert und diszipliniert morgens ab 8 Uhr in ihren Zimmern am Schreibtisch saßen und sich den Vormittag mit den gestellten Fragen in den jeweiligen Fächern beschäftigt haben. Großes Lob!

Auch meine Frau ist zur selben Zeit ins „Homeoffice“ gegangen und hat seither unser Arbeitszimmer bezogen. Sie ist in ihrer Funktion als Kreditspezialistin bei einer deutschen Großbank „systemrelevant“ und direkt in die Vergabe der KfW-Darlehen an die von der Corona-Krise negativ betroffenen Unternehmer und Mittelständler eingebunden. Teilweise sehe ich sie den ganzen Tag nicht, weil sie von einer Telefonkonferenz in die nächste geht, da die Prozesse der Kreditvergabe zunächst noch abzustimmen waren. Es ist zwar schön, dass die Politik Gelder verspricht. Blöd ist nur, dass die Rahmenbedingungen dafür überhaupt nicht klar waren und die eingebundenen Partner keine klaren Durchführungswege vorgegeben bekommen haben. Interessant ist auch, dass es anscheinend Unternehmer gibt, die ernsthaft glauben, die „Corona-Hilfen“ seien dazu da, die unternehmerischen Gewinne zu ersetzen und üppige Geschäftsführergehälter zu sozialisieren. Über so manche beim Abendbrot- natürlich anonymisiert - erzählte Realsatire kann man wirklich nur den Kopf schütteln.

Mein Arbeitgeber - eine mittelständische Schweizer Privatbank - hat ebenfalls sehr frühzeitig die Devise zur Aufteilung des Teams und zum wöchentlichen Wechsel zwischen der Arbeit in heimischer Umgebung und Büro ausgegeben. In den Wochen, in denen ich von zu Hause aus arbeite, sitze ich mit einem Laptop und meinem Firmenhandy am Wohnzimmertisch. Dort werde ich vormittags unterstützt von meiner freundlichen, langbeinigen und sehr jungen Assistentin. Coco ist eine 2,5-jährige Deutsch Kurzhaar-Hündin, die inzwischen fast fehlerfrei nach dem „Zwei-Pfoten-Suchsystem“ das Laptop bedient. Zwischendurch bin ich ihr Portier und öffne auf Anforderung die Terrassentür, werfe Kuscheltiere in den Flur, die sie dann apportiert oder kraule ihr den Bauch, wenn sie mich dazu auffordert. Konzentriertes Arbeiten ist so nur bedingt möglich. Ihre Avancen zu ignorieren klingt theoretisch nach einer guten Strategie, aber Coco kann da auf sehr charmante Weise extrem hartnäckig sein.

Glücklicherweise habe ich sehr entspannte Kunden, die durch die verschiedenen Krisen der letzten 20 Jahre recht entspannt mit den Eskapaden an den Weltbörsen umgehen und nicht besonders nervös wurden, als sich ihre Wertpapierdepots von den zwischenzeitlichen Höchstständen Mitte Februar wieder entfernten. Die „Buchverluste“ sind zwar sehr ärgerlich, halten sich aber immer noch im Rahmen. Von Panikreaktionen waren zumindest meine Kunden weit entfernt. Alle hatten Verständnis für die Situation und den festen Glauben an eine Erholung der Börsen. Sie haben verstanden, dass „time in the market“ für den langfristigen Erfolg der Anlagestrategie wichtiger ist als „timing the market“. Letzteres mündet nicht selten in Aktionismus und geht häufig schief.

Vielleicht liegt es auch daran, dass es sich für mich in den Wochen zu Hause eher wie „Bereitschaftsdienst“ anfühlt. Ich freue mich jedenfalls immer auf die Wochen, in denen ich wieder im Büro in der Hamburger Altstadt sitzen und „vernünftig“ arbeiten darf.

Ich gebe es zu: Eine Maske trage ich nur ungern, habe sie aber zumindest jahreszeitlich motiviert ein wenig „modifiziert“ (siehe Foto).

Ich wünsche uns allen, dass wir gesund bleiben, die Einschränkungen baldmöglichst gelockert werden und die Wirtschaft sich schnell wieder erholt. Mit etwas Abstand wird man dann vielleicht feststellen müssen, dass die Verhältnismäßigkeit in der Wahl der Einschränkungen nicht immer gewahrt wurde und der Föderalismus zum Teil zu abstrusen Ergebnissen führt…

Bis dahin alles Gute und munter bleiben.


Axel Maßmann ist Prokurist einer Schweizer Privatbank (Zweigstelle Hamburg) und Alumnus aus dem Gerd Bucerius Gesprächskreis (2005-2014)