Ich war Stipendiatin der Zeit-Stiftung im Sommersemester 2010, wo ich im Rahmen des Copernicus-Programms an der Universität Hamburg Politikwissenschaft studiert habe.

Danach führten mich meine Wege noch mal nach Deutschland, um das Politik-Masterstudium an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena zu absolvieren. Nachdem ich in der ukrainischen Vertretung der Konrad-Adenauer-Stiftung gearbeitet hatte, zog ich nach Berlin und bin seitdem in Projekten tätig, die sich auf die Ukraine beziehen. Seit fast einem Jahr arbeite ich im Think-Tank Zentrum Liberale Moderne und gehöre zum Redaktionsteam von www.ukraineverstehen.de. Hier schreiben ukrainische und deutsche Autoren Hintergrundberichte zum Reformprozess, dem Krieg Russlands in der Ostukraine und der Erinnerungskultur. Außerdem arbeite ich am Parlamentsberatungsprojekt für die neu gewählten ukrainischen Abgeordneten der Werchowna Rada.

Die Corona-Krise hat meine Arbeit in mehreren Hinsichten verändert. Zum einen sind jegliche Auslandsreisen und persönliche Treffen unmöglich geworden, was den persönlichen Austausch mit ukrainischen und deutschen Abgeordneten und Experten maßgeblich erschwerte. Politische Beratungen sind oft nur dann wirksam, wenn ein gewisses Vertrauen durch persönliche Gespräche aufgebaut wird. Während wir auf weitere Entwicklungen warten, digitalisieren wir unsere Angebote für die ukrainischen parlamentarischen Vertreter.

Auf der anderen Seite eröffnete die Corona-Quarantäne viele Möglichkeiten, neue digitale Formate auszuprobieren. Auf der Webseite ukraineverstehen.de haben wir ein Corona-Dossier mit Beiträgen zur Corona-Pandemie in unterschiedlichen Regionen der Ukraine aufgebaut. Auch fanden nahezu wöchentlich gut besuchte online-Gespräche zu wirtschaftlichen, gesundheitspolitischen, humanitären und zivilgesellschaftlichen Aspekten der Corona-Krise in der Ukraine statt. Schließlich haben wir einen Podcast aufgezeichnet, um die Ukraine-Expertise auch in Audio-Form dem Publikum zugänglich zu machen.

Die Arbeit im Homeoffice zusammen mit der Betreuung meiner kleinen Tochter war für mich eine ganz schöne Herausforderung, die ohne die Unterstützung meiner Familie nicht zu stemmen gewesen wäre. Zum Glück konnte ich am Laptop auch im Garten sitzen, während sich meine Kleine im Grünen austobte.

So hat mir persönlich die Quarantäne gezeigt, dass hohe Produktivität und Kreativität auch im Homeoffice möglich sind, wenn dafür die richtigen Bedingungen geschaffen werden. Sobald die EU-Auslandsgrenzen geöffnet werden, setzten wir unsere Arbeit für die Demokratisierung der Ukraine weiter vor Ort fort. Bis dahin werden wir versuchen, in der digitalen Welt mit qualitativen Angeboten mitzuhalten und den weiteren Wandel der Organisation voranzutreiben.


Julia Eichhofer arbeitet als Projektmanagerin Ukraine für den Thinktank Zentrum Liberale Moderne und ukraineverstehen.de. Sie ist Alumna aus dem von der ZEIT-Stiftung geförderten Austauschförderungsprogramm des Copernicus e.V. in Hamburg (2010).