Douglas Sirk

Douglas Sirk

Der „Hamburger Kopf“ von Knuth Hickethier und Andreas Stuhlmann erzählt vom künstlerischen Werdegang des in Hamburg-Eimsbüttel geborenen Hans Detlef Sierck, der in Hollywood als Douglas Sirk (1897–1987) Kinogeschichte ge­schrieben hat.

Hans Detlef Sierck beginnt am Theater, wo er sich zu­nächst in Hamburg, dann in Bremen und in Leipzig einen Ruf als erfolgreicher Regisseur und Theaterleiter er­wirbt. Seine Frau Hilde Jary ist Schauspielerin – und Jüdin. Sie trifft das Berufsverbot für jüdische Schauspieler 1934 und es wird auch für ihn schwieriger, Regieaufträge zu bekom­men. Er inszeniert an verschiedenen Bühnen in Berlin und versucht es beim Film, vor allem bei der Ufa. Dort beein­druckt sein straffes Arbeiten – er erhält einen Vertrag und widmet sich ganz dem Film: „Ich begann zu begreifen, dass hier die Kamera die Hauptsache ist, weil im bewegten Bild Emotion enthalten ist. Motion is emotion, und zwar in ei­ner Weise, wie es sie im Theater niemals geben kann.“ Bei den Melodramen „Schlussakkord“, „Das Hofkonzert“ mit Johannes Heesters (beide 1936) und „Zu neuen Ufern“ mit Zarah Leander und Willy Birgel (1937) erweist er sich „als einer der fähigsten und vielversprechendsten Regisseure im Hause“. Doch er arbeitet in einem Staat, der seine Frau ver­folgt und politischen Druck ausübt.

Das Ehepaar Sierck verlässt 1937 das nationalsozialisti­sche Deutschland. Ihr Weg führt sie über mehrere Exilstationen 1939 nach Hollywood. Es ist die Geburtsstunde von Douglas Sirk. Zunächst arbeitet er als Drehbuchschreiber. Bei dem Heydrich-Film „Hitler‘s Madman“ (1943) führt er erst­mals Regie – es ist „ein erster Durchbruch und zugleich eine gewisse Emanzipation vom Selbsthilfe-Netzwerk der Emi­granten.“ Zunächst „ist er auf B-Filme mit europäischem Sujet abonniert“, wie die beiden Biografen schreiben. Die 1950-er Jahre werden Sirks große Zeit. Er arbeitet sich in die erste Liga der Hollywood-Regisseure vor, erneuert und verfeinert seine Bildsprache. In neun Jahren entstehen 23 Filme, darunter „In den Wind geschrieben“, „Duell in den Wolken“, „Engel mit blu­tigen Flügeln“ sowie „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ und „Solange es Menschen gibt“. Barbara Stanwyck, Lana Turner und Rock Hudson wirken darin mit. Der Produktionsmara­thon schwächt Sirk, der 1959 nach Europa zurückkehrt und sich in der Schweiz niederlässt. Gelegentlich führt er wie­der Theaterregie, auch in Hamburg, und unterrichtet an der Münchner Filmhochschule.

Was in Erinnerung bleibt? Zum einen das Bonmot: „Douglas Sirk ist der am meisten verkannte Regisseur des amerikanischen Films“ und das ekstatische Lob Rainer Werner Fassbinders: „Ich habe 6 Filme von Douglas Sirk gesehen. Es waren die schönsten der Welt dabei.“ Dieser „Hamburger Kopf“ zieht einen biografischen Bogen von Hamburg nach Holly­wood und zurück. Er zeigt Douglas Sirk als „Regisseur für Regis­seure“, der doppelt wirkt: durch seine Filme mit ihren symbol­gesättigten, virtuosen visuellen Mitteln und ihrer feinen Ironie, sowie durch die Prägung anderer Filmschaffender.

Knut Hickethier; Andreas Stuhlmann: Douglas Sirk im Rahmen der Hamburger Köpfe herausgegeben von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Ellert & Richter Verlag Hamburg, 2017 (erscheint Mitte September), 240 Seiten mit 40 Abbildungen, ISBN 978-3-8319-0685-7, 19,95 EUR