Sommertrimester an der Bucerius Law School startet virtuell

Im zwanzigsten Jahr ihrer Gründung verlegt die Stiftungshochschule erstmalig ihren kompletten Betrieb in den virtuellen Raum. Wir haben Prof. Dr.  Katharina Boele-Woelki, Präsidentin der Bucerius Law School, dazu interviewt:

ZEIT-Stiftung: Erstmals läuft ein Trimester an der BLS digital. Was sind dabei die größten Herausforderungen für Sie, Ihr Team und die Studierenden?

Boele-Woelki: Die erste Herausforderung war die schnelle Installation der richtigen Software. Die nächste Herausforderung bestand darin, 1200 Trimester-Abschlussklausuren innerhalb von zwei Wochen von zu Hause aus schreiben zu lassen und zusätzlich mit einer virtuellen Aufsicht eine prüfungsähnliche Situation zu schaffen. Daran schloss sich die Schulung aller Lehrenden im Umgang mit der Webinar-Software an, die den digitalen Unterricht ermöglicht. Mehr als 100 Dozentinnen und Dozenten für mehr als 100 Vorlesungen und ungefähr 50 Kleingruppen wurden eingewiesen, damit alle rechtzeitig zum Trimesteranfang starten konnten. Es gab keine einzige Verzögerung.

ZEIT-Stiftung: Sehen Sie in der Umstellung des Lehrbetriebs in den virtuellen Raum auch Chancen für die Zukunft?

Boele-Woelki: Digitale Lehre ist nicht das non plus ultra, aber sie kann die Präsenzlehre in vielfältiger Weise unterstützen. Einführungen können vorab als
Video aufgenommen werden, die Studierenden können diese jederzeit abrufen und in der Präsenzveranstaltung ist viel mehr Zeit für Fragen, Diskussion und Vertiefung. Wir haben bereits in einigen Bereichen dieses hybride Lehrformat ausprobiert, aber jetzt haben sehr viele Lehrende erkennen können, welche Möglichkeiten der virtuelle Raum bietet. Wir stellen fest, dass viel mehr Studierende am digitalen Lehrbetrieb teilnehmen, als wenn die Vorlesung oder Kleingruppe auf dem Campus stattfindet. Das Einloggen ist einfach, von überall kann man dabei sein. Wir werden uns sicherlich nicht zu einer Fernuniversität entwickeln, sondern eine Präsenzhochschule bleiben, aber wir werden die vielen Vorteile der digitalen Lehre auch weiter einsetzen. 

ZEIT-Stiftung: Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten, wenn die Hochschule ihren Campusbetrieb wieder aufnimmt?

Boele-Woelki: Ich freue mich auf die persönlichen Begegnungen mit allen, auf das gemeinsame Essen in der Mensa, auf den small talk auf dem Gang und auf den guten Kaffee aus der Coffee Lounge.