© Benne Ochs

Das Forum als Forum

Das Bucerius Kunst Forum hat keine Sammlung, und die Ausstellungsfläche beträgt mit 850 Quadratmetern weniger als ein Zehntel der Hamburger Kunsthalle. In gewisser Weise ist der Mangel an Raum und Besitz ein Vorteil, sagt Andreas Hoffmann.

Als Prof. Dr. Andreas Hoffmann 2002 das erste Mal das Bucerius Kunst Forum betrat, war er beeindruckt. „Ich dachte damals, wow, das ist ein besonderer Ort“, erzählt der Geschäftsführer des Ausstellungshauses. Damals war er noch Besucher und betrachtete Rubens, Vélasquez und Tintoretto, die in der ersten Ausstellung „Meisterwerke aus Dresden“ gezeigt wurden. „Mich faszinierte neben der hohen Qualität der Kunst auch das Auge für jedes Detail – von der Ausstellungsarchitektur über die Wandfarbe bis zur Gestaltung der Werktexte, nichts wurde hier dem Zufall überlassen.“ Hoffmann erkannte schon damals, dass die kleine Ausstellungsfläche des Kunst Forums durchaus ihre Vorteile hat. Durch sie könne das Museum sich den Werken mit besonderer Aufmerksamkeit widmen und den grundlegenden Fokus der einzelnen Ausstellungen präzise herausarbeiten. Von Beginn an setzte das Bucerius Kunst Forum auf Themenausstellungen mit innovativem Fokus, statt auf große Retrospektiven – ein Alleinstellungsmerkmal in der Hamburger Museumslandschaft. Besucher:innen können so für eine Stunde – und gerne auch länger – in die Welt der Antike eintauchen, das England von William Turner bereisen oder die Gegenwart durch die Linse von Videokünstler:innen und Fotograf:innen kennenlernen. Ein verdichteter Kurztrip in andere Welten und Zeiten. Das war von Anfang an das Konzept. „Ich empfinde das Fehlen einer Sammlung nicht als Manko. Das macht uns agiler und flexibler, denn wir müssen uns nicht auf einen Stil oder eine Epoche festlegen“, sagt Andreas Hoffmann, der klassischer Archäologe ist und bis 2019 auch als Programmleiter Kunst und Kultur der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius fungierte. Und davon profitiert wiederum das Publikum des Bucerius Kunst Forums, das jedes Jahr ein facettenreiches Programm präsentiert bekommt.

Das Ausstellungshaus setzt dabei auf Zugänglichkeit und das fängt bei der Architektur an. „Wir wollten nie ein Ehrfurcht einflößender Tempel sein“, sagt Hoffmann. Deswegen musste man beim alten Haus am Rathausmarkt keine Schwelle übertreten oder eine weite Treppe hinaufschreiten, um ins Innere zu gelangen. Man stand eigentlich sofort, vielleicht noch die Einkaufstüten vom City-Shopping in der Hand, im Ausstellungsraum. Die Hürden zur Kunst waren niedrig und das ist auch im neuen Haus am Alten Wall so. Die Räume, umgebaut vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner, sind hell, einladend, der Stadt zugewandt. Prägend ist eine wunderschön gestaltete Holztreppe, die in die erste Etage führt. Die Ausstellungsfläche wurde absichtlich nicht viel größer als im alten Haus ausgelegt, um nicht die konzentrierte Herangehensweise an Werk und Künstler:in zu gefährden. „Wir begreifen unser Museum als Forum, in dem die Strömungen und Fragen unserer Zeit verhandelt werden“, sagt Andreas Hoffmann. Im Gebäude gibt es deshalb eine eigene Etage für Veranstaltungen. Hier wird musiziert, diskutiert, zugehört und auch mal getanzt. Und wenn die Corona-Pandemie hoffentlich bald der Vergangenheit angehört, dann gilt wieder, was im Bucerius Kunst Forum schon immer galt: Egal ob Kenner:in oder Laie, jede:r ist willkommen.

Andreas Hoffmann war bis 2019 Programmleiter Kunst und Kultur der ZEIT-Stiftung. Seit 2007 ist er Geschäftsführer des Bucerius Kunst Forums. Dieses Amt bekleidet er seit 2022 gemeinsam mit der Direktorin Dr. Katrin Baumstark.