Rammstein im Kinderzimmer

In Folge sechs der Zeitgeister spricht Ralf Schlüter mit Sabine Seifert, Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, darüber was man jungen Menschen zeigen und erzählen darf.

„Mein Herz brennt“ ist so ziemlich das Gegenteil eines Gute-Nacht-Lieds: Angst und Bedrohung statt Beruhigung und Geborgenheit. In Folge sechs der Zeitgeister spricht Ralf Schlüter mit Sabine Seifert, Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, darüber was man jungen Menschen zeigen und erzählen darf.

Rammstein:
„Sie kommen zu euch in der Nacht/Dämonen Geister schwarze Feen/sie kriechen aus dem Kellerschacht.“

Der Song „Mein Herz brennt“ ist ein Einschlaflied zum Fürchten. Um das Bild des brennenden Herzens herum beschwört der Rammstein-Sänger mit tiefer dunkler Stimme das Böse, das die Kinder in der Nacht heimsucht: „Sie kommen zu euch in der Nacht/Dämonen Geister schwarze Feen/sie kriechen aus dem Kellerschacht.“ Kinder bewusst zu ängstigen, das hat in der deutschen Kulturgeschichte eine lange Tradition. Bei E.T.A. Hoffmann ist der Sandmann eine grausame Figur, die Märchen der Gebrüder Grimm sind voller Gewalt. Heute werden solche Geschichten als „Schwarze Pädagogik“ bezeichnet und es gibt ein fein abgestuftes Jugendschutz-System. Der Erfolg von Rammstein zeigt aber, dass sich die Angst-Bilder offensichtlich noch nicht erledigt haben.

Jedes Stück Musik ist ein Produkt seiner Zeit; es erzählt von der Gegenwart, aber es verarbeitet auch frühere kulturelle Formen. Im Podcast „Zeitgeister“ folgt der Kulturjournalist Ralf Schlüter den Spuren, die in berühmten Songs und Musikstücken angelegt sind. Es geht um geheime Botschaften und politische Statements, kulturelle Archetypen und Utopien. Alle weiteren Folgen hier

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