Besuch des Bundespräsidenten zum 50. Jubiläum der ZEIT-Stiftung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat auf der Jubiläumsveranstaltung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius über die zunehmende innere und äußere Bedrohung der demokratischen Werte gesprochen und appelliert, einander zuzuhören sowie konstruktiv miteinander zu streiten.

Frank-Walter Steinmeier: „Wer meint, Vielstimmigkeit, demokratische Verfahren und Weltoffenheit stünden wirksamen Lösungen im Weg, der irrt, davon bin ich fest überzeugt! Wo jemals hätten Diktaturen ihre innere Widersprüchlichkeit und Spannungen friedlich aufgelöst? Diktaturen und Autokratien können Neues und Abweichendes nicht integrieren, sie müssen ausgrenzen, Oppositionelles mit Zwang unterdrücken. Je nachhaltiger der Widerspruch, umso enger werden die Zügel angezogen. Und es gibt nur diese eine Richtung, die Möglichkeit zur Selbstkorrektur ist in Diktaturen ausgeschlossen. Neues und Abweichendes integrieren können nur Demokratien.“

Der Bundespräsident nahm damit das Leitmotiv der Veranstaltung auf. Das Jubiläum der ZEIT-Stiftung an der Bucerius Law School stand ganz im Zeichen des Aufrufs, Verantwortung für unsere offene und freie Zivilgesellschaft zu übernehmen. So machte der Vorsitzende des Kuratoriums, Burkhard Schwenker, in seiner Rede deutlich, dass der Krieg in der Ukraine alles verändert hat: „Wir sind jetzt alle gefordert – und eine Stiftung wie die ZEIT-Stiftung ganz besonders. Denn wenn es um menschliche, gesellschaftliche, geopolitische Herausforderungen geht, dann müssen wir uns angesprochen fühlen. Und das tun wir! Ungewissheit kann auch Angst machen. Aber gleichzeitig ist Ungewissheit immer auch eine Chance – nämlich die Chance auf etwas viel Größeres, viel Besseres. Und deswegen heißt unser Programm heute: "Zuversicht stiften, Zusammenhalt stärken, Zukunft fördern!"“

Manuel J. Hartung, Vorstandsvorsitzender der ZEIT-Stiftung, zeichnete in seiner Abschlussrede ein Bild der zukünftigen Stiftungsarbeit: „Die Zivilgesellschaft muss in diesen Zeiten stärker auftreten, um für das zu kämpfen, was auf dem Spiel steht: die offene und liberale Gesellschaft und die Freiheit in Europa.“ Hartung kündigte an, dass die ZEIT-Stiftung ihr Engagement für die Pressefreiheit ausbaue, ein neues Programm für Wissenschaftsfreiheit starte und sich dem Kampf gegen Desinformation noch stärker widmen wolle.

In der von Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur DIE ZEIT, moderierten Podiumsdiskussion ging es um die Frage: „Wie verteidigen wir unsere Freiheit?“ Clemens Trautmann, Präsident Deutsche Grammophon, Susanne Kailitz-Kunz vom Veto Magazin, das von der ZEIT-Stiftung gefördert wird, und Thomas de Maizière, Bundesinnenminister a.D. diskutierten darüber, wie man ein Bewusstsein für demokratische Prozesse schaffen und einen konstruktiven Diskurs fördern kann.

Zudem wurden die Förderprojekte („48h Jenfeld“, „Internationale Deutscholympiade“, ­--„Prignitzer Abendbrotgespräche – Zwischen Hamburg und Berlin“ „Qualitätsjournalismus auf TikTok?“, „24h-Diskussion“) aus dem Sonderfonds 50 Jahre ZEIT-Stiftung vorgestellt. Abgerundet wurde das Programm durch Auftritte der HipHop Academy, der Benny & Lionel Small Group der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und einer Aktion vom Jungen SchauSpielHaus aus ihrem aktuellen Stück „Listen to my Story“.

Beim anschließenden Ortstermin am Louise Weiss Gymnasium hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit aktuellen und ehemaligen Mentor:innen und Mentees aus dem Mentoringprogramm WEICHENSTELLUNG der ZEIT-Stiftung gesprochen.

Burkhard Schwenker machte noch einmal deutlich, wie wichtig dieses Programm für die ZEIT-Stiftung ist: „Das Mentoringprogramm WEICHENSTELLUNG ist mir auch deswegen wichtig, weil es meine eigene Biografie reflektiert und ich weiß, um was es geht. Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen jetzt den richtigen Schulweg zu ermöglichen – und damit das Talentpotential für unser Land langfristig zu erhöhen, das ist die Kernbotschaft von WEICHENSTELLUNG.“

Anschließend tauschten sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Senator Ties Rabe mit ukrainischen Lehrerinnen des Louise Weiss Gymnasiums und ukrainischen Schüler:innen aus.

Downloadlink Fotos https://t1p.de/ovju4

Link Livestream https://www.youtube.com/watch?v=PXA1o17j2KA

Mehr Informationen WEICHENSTELLUNG https://weichenstellung.info/

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die ZEIT-Stiftung, Jessica Staschen, Leiterin Kommunikation, Tel. 040 41336871, E-Mail: staschen@zeit-stiftung.de