© Barak Brinker

Das Jahr 2019 steht deutschlandweit im Zeichen des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums. Insbesondere in Weimar, Dessau und Berlin werden anlässlich der Feierlichkeiten eine Reihe von Veranstaltungen abgehalten. Die Stadt Tel Aviv-Jaffa wird auch vertreten sein, da ihr Zentrum auf dem architektonischen Stil der Bauhaus-Schule basiert. Vom 23. bis 27. September 2019 widmet sich deshalb das interdisziplinäre Programm der Sommerakademie „History Takes Place – Dynamics of Urban Change“ diesem Bauhaus-Erbe: Unter der Bezeichnung "Weiße Stadt von Tel Aviv: Die moderne Bewegung" gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe und prägt das Stadtbild bis heute.

Tel Aviv wurde als Vorort von Jaffa gegründet und entwickelte sich Mitte der dreißiger Jahre zu einer wichtigen Stadt der jüdischen Bürger in Palästina unter britischem Mandat, dank eines Zustroms von Einwanderern aus Ost- und Mitteleuropa. Im Zuge antisemitischer Politik suchten sie dort Zuflucht und einen sicheren Ort. Den am Bauhaus und in anderen europäischen Schulen ausgebildeten Architekten begegnete in der sich schnell entwickelnden Metropole eine große Nachfrage nach Wohnraum und Stadtentwicklung. Jaffa, die nach wie vor die führende Stadt der arabischen Bürger war, rühmte sich baulich auch mit dem internationalen Stil dieser Zeit, war jedoch weniger bereit, die alte Bausubstanz dafür zu opfern. Tel Aviv zeichnete sich hingegen durch ein fast komplettes Stadtgefüge aus: Heute sprechen wir von ca. 4.000 Gebäuden im internationalen Stil, die innerhalb der Garden City-Stadtplanung entstanden sind.

In diesem Jahr wird sich die Sommerakademie in Zusammenarbeit mit dem White City Center (WCC) auf das Konzept der „Societies on the Move“ konzentrieren: Die Bewegung von Menschen, Materialien und Kulturen wird als zentrales Element moderner Architektur betrachtet und deren Einfluss auf die Stadtlandschaft untersucht. Folgende Fragen stehen dabei im Fokus: Wofür steht das Bauhaus in Tel Aviv-Jaffa und Israel zu Beginn und heute? Welche Relevanz hat das Bauhaus für die zeitgenössischen Ansprüche der Stadtbewohner und ihrer Besucher?

Seit 2003 lädt die ZEIT-Stiftung internationale Nachwuchswissenschaftler ein, an dem Programm in unterschiedlichen Metropolen teilzunehmen. Die Gerda Henkel Stiftung ist seit 2009 Kooperationspartner.

In den vergangenen Jahren hat die Sommerakademie „History Takes Place“ in Belgrad und Sarajevo (2017), Rom (2014), Istanbul (2013), Paris (2010), Warschau (2009), Lemberg (2007), Wrocław (2005) und St. Petersburg (2003) stattgefunden.

Bewerbungen
Die Sommerakademie richtet sich insbesondere an Doktoranden aus den Bereichen Geschichte, Kunstgeschichte, Archäologie, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie an junge Architekten und Stadtplaner. Die Bewerber sollten an einem interdisziplinären Austausch über die Geschichte von Tel Aviv-Jaffa und ihrer Stadtentwicklung interessiert sein. Darüber hinaus sollten sie ein überdurchschnittliches thematisches und methodisches Interesse an Stadtforschung haben sowie mit den bisherigen und aktuellen Entwicklungen in Israel und im Nahen Osten vertraut sein. Das Programm wird auf Englisch durchgeführt. Von den Teilnehmern wird erwartet, dass sie sich auf die einzelnen Sitzungen mit Kursmaterialien und einer Bibliographie vorbereiten sowie eine Präsentation zu einem Thema halten, das sich auf ihre akademischen Interessen und Kompetenzen bezieht.
Reise- und Aufenthaltskosten werden von den Veranstaltern getragen.

Dr. Anna Hofmann
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Feldbrunnenstraße 56
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