Multimediale Spiele, eine VR-Station und einfaches Lernen, vor allem für Erwachsene: All das bringt unser Aktionslabor „Redaktionelle Gesellschaft“ zusammen. Seit 2024 macht die von uns als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS konzipierte interaktive Ausstellung zur Förderung von Nachrichten- und Medienkompetenz Halt in Bibliotheken und an Ausstellungsorten in ganz Deutschland. Im neuen Jahr 2026 startet das Labor nun in vergrößerter Form – sowohl inhaltlich als auch geografisch. Hinzu kommen zwei weitere Module und neue Standorte im Süden Deutschlands.
Durch spielerisches Ausprobieren können Besucher:innen im Aktionslabor ihr Wissen zu journalistischen Medien, Desinformationen und Fake-News „nebenbei“ ausbauen sowie ihren eigenen Umgang mit Medien hinterfragen und stärken.
Aktionslabor jetzt auch in Baden-Württemberg
2024 startete das Aktionslabor erstmalig in Hamburg. Inzwischen touren fünf „Labore“ durch ganz Deutschland – Tendenz steigend! Seit Anfang Mai 2025 zieht ein weiteres Labor durch die die ostdeutschen Länder. Zwei Versionen sind dank großzügiger Unterstützung der Brost-Stiftung aus Essen außerdem in Bibliotheken und an öffentlichen Orten in Nordrhein-Westfalen unterwegs. Das „norddeutsche“ Aktionslabor steht in den Startlöchern für eine nächste Tour durch Niedersachsen. Und auch in Baden-Württemberg ist ein weiteres Labor jüngst im November 2025 zum ersten Mal in Aktion getreten. Im Süden des Landes wird die Umsetzung durch die Dieter von Holtzbrinck Stiftung möglich gemacht.
Zwei neue Module zu KI und Desinformation sowie Meinungsvielfalt
Mit den neuen Standorten erweitern wir das Aktionslabor auch um zwei neue Module: „K.I.N.D.“ und der „Perspekt-O-Mat“ bieten ab sofort noch mehr Möglichkeiten zur spielerischen Aufklärung und setzen Impulse zur Reflexion. Das Modul „K.I.N.D.“ besteht aus einem analogen Telefon mit angeschlossenem Computer und wurde mithilfe künstlicher Intelligenz trainiert. Besucher:innen telefonieren mit Lenni, der mit einer kindlich klingenden Stimme spricht, die aus Sprachsamples eines 12-jährigen Jungen entwickelt wurde und in der Interaktion vertrauensvoll und harmlos klingt. Lenni stellt Fragen, die über die Telefontasten beantwortet werden können. Im Verlauf des Gesprächs wird klar: Genau dieser persönliche, vertrauensvolle Austausch war Ziel der Programmierung – nicht etwa eine unpersönliche Roboterstimme, der Besucher:innen keine Informationen leichtfertig per Telefon mitteilen würden. Auf die Spitze getrieben wird das Deepfake-Spiel dann dadurch, dass man Lenni auf Knopfdruck Sätze in den Mund legen kann. Mit diesen und weiteren Funktionen verdeutlicht die Station anschaulich, wie Deepfakes längst glaubwürdig wirkende Informationen verbreiten und dass es in der Verantwortung der Entwickler:innen und Anwender:innen liegt, wie die Technologie tatsächlich genutzt wird. Das Modul veranschaulicht die Fähigkeit von KI, menschliche Stimmen zu imitieren und zeigt die damit einhergehenden Risiken auf.
Der Perspekt-O-Mat lädt, ganz dem Namen entsprechend, zum Perspektivwechsel ein. Mithilfe des Tools können Besuchende des Aktionslabors ihre bisherige Meinung zu medienpolitischen und gesellschaftlichen Themen durch einen Perspektivenwechsel reflektieren. Wer sich bisher noch keine Meinung gebildet hat, findet Anregung durch verschiedene Blickwinkel auf ein Thema. „Können digitale Technologien Einsamkeit im Rentenalter bekämpfen?“, lautet eine der Fragen, denen man dann per Mausklick zunächst zu- oder widerspricht. Es folgt ein thematisch passender Gedankenimpuls, zum Beispiel zur digitalen Vernetzung älterer Menschen untereinander. Klicken Nutzer:innen weiter, erhalten sie Einblicke in die Perspektive einer Person, die anders geantwortet hat und erfahren, was diese Person dazu bewogen hat. Zum Schluss haben Besucher:innen die Möglichkeit, die eigene Meinung begründet in den Perspektiv-O-Mat einzuspeisen. Diese kann dann der nächsten Person zum Perspektivenwechsel angezeigt werden.
Der Perspekt-O-Mat hilft so dabei, die eigene Perspektive auf Dinge zu klären. Gleichzeitig bringt er Menschen, die unterschiedliche Ansichten haben, ein Stück weit in den Austausch miteinander. Deshalb unterstützen wir als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS auch mit dem Aktionslabor eine lebhafte Streitkultur nach unserem Vorsatz „Aufrichtig streiten, entschlossen handeln“. Denn nur wenn debattiert und miteinander gerungen wird, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen, wir diese wertschätzen und Formen des echten Austausches entwickeln — nur dann können wir voneinander lernen und unsere demokratischen Grundwerte mit Leben füllen.
Wissenschaftliche Evaluation des Aktionslabors
Nach einer erfolgreichen Startphase der ersten Module hat die Masterstudentin der Leuphana Universität Lüneburg Andrea Westphal die Interaktionen der Besucher:innen mit den Stationen des Aktionslabors und deren Ansichten zu Medien, Nachrichten und Informationen im Rahmen ihrer Masterarbeit erforscht. Laut der Evaluation erfüllt das Aktionslabor sein Ziel, den verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu stärken, das Selbstvertrauen der Interagierenden in die eigene Informationskompetenz zu verbessern und deren Bewusstsein für diese wichtigen Themen zu fördern. „Ich finde den Gedanken, Personen auf das Thema aufmerksam zu machen, die es nicht auf dem Schirm haben, gut,“ resümiert ein:e Besucher:in nach der Interaktion im Aktionslabor: „Wenn es einfach an einem Ort steht, an dem man sich sowieso aufhält.“
Die Evaluation zeigt: Besonders gern spielen die Besucher:innen das Videospiel „Citizen Quest“, in dem sie Informationen verifizieren oder Quellen checken. Ebenfalls häufig genutzt wird die VR-Station. „Ich mag die interaktiven Elemente sehr und finde die Darstellung sehr ästhetisch“, bemerkt ein:e Besucher:in. Andrea Westphals Beobachtungen zeigen, dass im Aktionslabor sowohl spielerisch interagiert wird, als auch konzentriert die Texte gelesen.
„Wir sollten immer kritisch mit Medien umgehen. Wir müssen immer hinterfragen, was gezeigt wird, warum es so gezeigt wird und was vielleicht fehlt. Das ist wichtig, um nicht nur eine Seite der Geschichte zu sehen“, merkt eine Person nach ihrem Besuch des Aktionslabors an. Neun von zehn Besucher:innen gaben an, gelernt zu haben, Nachrichten und Information kritisch zu hinterfragen. Diese neu gewonnen Informationskompetenz planen sie auch stärker in ihren Alltag zu integrieren. Ebenfalls schafft es das Aktionslabor laut einem Großteil der Besucher:innen, neue Erkenntnisse über Medien, Nachrichten und Informationen zu vermitteln. Es regt dazu an, den eigenen Medienkonsum zu hinterfragen und es sich zuzutrauen, Falschinformationen schneller zu erkennen.
Die detaillierten Ergebnisse der Evaluation finden Sie hier.
Das Aktionslabor soll auch zu Ihnen kommen? Weitere Informationen finden Sie hier. Nehmen Sie Kontakt auf zu Dr. Amelie Zimmermann, Leiterin Bucerius Lab, zimmermann@zeit-stiftung.de.