Mut zur Wahrheit
Gerd Bucerius-Förderpreise Freie Presse Osteuropas 2014 gehen vor allem an Journalisten in Russland und der Ukraine

Die Förderpreise Freie Presse Osteuropas und Freie Presse Russlands mit insgesamt 80.000 € gehen 2014 an acht Journalisten und Medien: Maria Eismont und den Sender Dozhd TV aus Russland, Yulia Mostova, Mustafa Nayyem und Tetjana Tschornowol aus der Ukraine, Alexander Klaskowski aus Belarus, den Internet-Sender Objective TV aus Aserbaidschan und das Nachrichtenportal Epress.am aus Armenien.

Journalisten und Medien in Russland, der Ukraine, Belarus, in Aserbaidschan und Armenien müssen besonders mutig und unerschrocken sein, um über die Zustände im jeweiligen Land kritisch zu berichten. Während der dramatischen Ereignisse in der Ukraine wurden Journalisten zu Freiwild erklärt, durch gezielte Angriffe schwer misshandelt und auch tödlich verletzt. Journalisten waren und sind dort bedeutsame Beobachter der pro-europäischen Bewegung und ihrer kämpferischen Dynamik. Der Jury* ist es wichtig, unabhängige Journalisten und Medien zu ermutigen, die trotz Drohungen und Polizeigewalt berichten und der Selbstzensur widerstehen.

 

Maria Eismont (*1974), Moskau, arbeitet als Sonderberichterstatterin für die Zeitschrift „The New Times“ und ist Kolumnistin der Tageszeitung „Vedomosti“. Stark an sozialen Fragen interessiert, schreibt sie über Menschenrechtsverletzungen, das russische Gerichts- und Gefängnissystem und über Adoptionen. Maria Eismont wurde von der Bewegung „Einsitzendes Russland“ und Zoia Svetova nominiert.

Der 2010 gegründete Fernsehsender Dozhd TV (Moskau), der einzige unabhängige Fernsehkanal des Landes, bildet mit seinen Livesendungen und Diskussionsrunden ein Gegengewicht zur russischen Staatspropaganda. Dozhd TV informiert die Bürger mit analytischen Beiträgen, mit ebenso kritischen wie humorvollen Stücken. Er ist fortwährend Angriffen ausgesetzt und seit kurzem in seiner Reichweite beschnitten. Der Sender wurde nominiert vom Norwegian Helsinki Committee und der Human Rights House Foundation, Oslo.

Die Journalistin und Aktivistin Tetjana Tschornowol (*1979) Kiew, schreibt für die „Ukrainska Prawda“. Bemerkenswert sind ihre investigativen Recherchen zu Vetternwirtschaft und Amtsmissbrauch führender Regierungsvertreter. Im Dezember 2013 wurde Tschornowol von Unbekannten brutal zusammengeschlagen und schwer verletzt. Seit Ende Februar 2014 ist Tschornowol als Leiterin des Antikorruptionsbüros Mitglied der ukrainischen Übergangsregierung. Die Jury hat Tetjana Tschornowol den Pressepreis aufgrund ihrer Verdienste um investigative Recherche und unabhängige Berichterstattung zuerkannt.

Yulia Mostova (* 1968), Kiew, ist seit 2011 Chefredakteurin der Wochenzeitung „Dzerkalo Tyzhnia. Ukraina“/“Zerkalo nedeli. Ukraina“, eines unabhängigen, kritischen Blattes, das sie entscheidend prägt. Ihre Essays zu innenpolitischen wie außenpolitischen Themen fußen auf gründlicher Recherche. Mostova gilt als bestens informierte analytische Journalistin, mehrfach war sie „Journalistin des Jahres“. Das Kiewer Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat Yulia Mostova nominiert. 

Mustafa Nayyem (* 1981), Kiew, ist Journalist und Aktivist. Er schreibt investigative Artikel für die „Ukrainska Pravda“ und ist Blogger des Blattes. Im November 2013  gründete der in Kabul geborene Journalist den Internet-Sender „Hromadske.tv“, der sich auf dem sogenannten Euromaidan zu einer wichtigen Informationsquelle entwickelte. Nayyems Facebook-Appell hat die pro-europäischen Demonstrationen auf dem Euromaidan mit initiiert. Intajour – International Academy of Journalism, Hamburg, hat Mustafa Nayyem vorgeschlagen.

Der Journalist und politische Kommentator Alexander Klaskowski (*1958), Minsk, ist einer der angesehensten unabhängigen politischen Journalisten in Belarus. Als aufmerksamer Beobachter der Situation im Land analysiert er fundiert und umfassend die Lage und scheut die Kritik am Kurs der belarussischen Führung nicht. Alexander Klaskowski wurde nominiert von der Deutschen Botschaft Minsk und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Kiew.

Der Internet-Sender Objective TV (Baku) informiert die Öffentlichkeit über Menschenrechtsverstöße und die Aktivitäten kritischer Bürger. Anders als die neun anderen Sender Aserbaidschans betreibt die Plattform alternative Berichterstattung jenseits des Personenkults um Präsident Aliyev, bringt Nachrichten über die grassierende Korruption und Beamtenwillkür. Objective TV wurde nominiert vom Norwegian Helsinki Committee und der Human Rights House Foundation, Oslo. 

Das Nachrichtenportal Epress.am (Eriwan) berichtet regelmäßig über Protestaktionen und schreibt über zweifelhafte Praktiken seitens der Polizei und Behörden vor allem im Kaukasus. Es stellt Menschenrechtsfragen in den Mittelpunkt, legt schlampige Ermittlungen und Fälle von Korruption und Rechtsbeugung offen, thematisiert ungeklärte Todesfälle von Soldaten und Folter durch staatliche Organe. Epress.am wurde nominiert vom Norwegian Helsinki Committee und der Human Rights House Foundation, Oslo.

Die ZEIT-Stiftung und Stiftelsen Fritt Ord verleihen die mit jeweils 10.000 € dotierten Förderpreise am 12. Juni 2014 in Hamburg. Beide Stiftungen wollen dort, wo Regierungen, Oligarchen, Interessengruppen und wirtschaftlicher Druck die Informationsfreiheit massiv einschränken, unabhängigen Journalismus unterstützen.

*Dr. Falk Bomsdorf, Prof. Dr. Jo Groebel, Stefanie Schiffer, Dr. Theo Sommer, Vibeke von Sperling, Michael Thumann, Reinhard Veser.

Fotos einzelner Preisträger finden Sie zum Download unter:
http://www.zeit-stiftung.de/home/index.php?id=358

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