Ein Podcast, der aufhorchen lässt, eine Konferenz, die den Status Quo hinterfragt und drei Tagungen, die Veränderungen anstoßen: Wir als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS fördern im Jahr 2026 fünf Projekte, die feministische Perspektiven in die Rechtswissenschaft einbringen. Von Student:innen bis Professor:innen organisieren und engagieren sich viele Förderpartner:innen, um die juristische Ausbildung mit feministischen Kritiken zu ergänzen, diskriminierende Strukturen im Recht zu hinterfragen und Lösungsansätze zu erarbeitet. Mit der Förderung der im Folgenden vorgestellten Projekte verteidigen wir Freiheiten der offenen Gesellschaft und stärken die Handlungsfähigkeit derjenigen, die Veränderungen für im rechtlichen Bereich anstoßen.
RechtZeitig – 50 Minuten Recht hören
Dieses Projekt steht jederzeit zum Abruf bereit: Der im Frühjahr gestartete Podcast „RechtZeitig – Ein aktueller Podcast über Recht, Gesellschaft und Demokratie in der Zeitenwende“ bereitet aktuelle Debatten in 50-minütigen Folgen verständlich auf. Auf dieser auditiven Bühne diskutieren die Hostinnen über die Rolle von Recht und Rechtswissenschaft in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft. Das Hörformat wird von Prof. Dr. Liane Wörner und Prof. Dr. Susanne Beck, Prof. Dr. Stefanie Bock, Prof. Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy, Prof. Dr. Georgia Stefanopoulou und Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner sowie einer erweiterten Redaktion realisiert, vom Nomos Verlag verbreitet und von uns als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS für ein Jahr mit 12 Folgen gefördert. Ob mit bestandenem zweitem Staatsexamen oder ohne juristische Expertise: Die Themen werden vielfältig gestaltet und aufbereitet – von KI im Recht bis Rassismus bei der Polizei.
Verteidigung feministisch-demokratischer Werte an der Bucerius Law School
Klagen, die in einer antifeministischen Verengung öffentlicher Diskurse resultieren, die Gleichberechtigung im Arbeitsleben von Eltern oder die unterschiedlichen Situationen von Jurist:innen in Ost- und Westdeutschland – das waren einige der Themen des Feministischen Jurist:innentags an der Bucerius Law School. Zu seinem 50-jährigem Jubiläum hatte der Dachverband „Frauen streiten für ihr Recht e.V.“ die Fachtagung im April 2026 organisiert. Forschung und Praxis gaben sich hier die Hand und eröffneten einen Raum zur Weiterbildung, Austausch und zur Vernetzung. In Zeiten aufsteigender demokratiefeindlicher Kräfte stärkt der Feministische Jurist:innentag eine offene und demokratische Rechtskultur, indem er Diskriminierungen von Frauen und queeren Personen im Recht sichtbar macht, die Teilnehmer:innen Reformansätze erarbeiten und das juristische Werkzeug erhalten, demokratische Werte juristisch zu verteidigen.
„Recht diskriminierend?“ in Halle-Wittenberg
Auch im Jahr 2026 haben wir als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS die zum sechsten Mal stattfindende Tagung der Sommerakademie Feministische Rechtswissenschaften e.V. unter dem Leitthema „Recht diskriminierend?“. Im Rahmen der Tagung zeigten Teilnehmende rechtliche Diskriminierungen und Benachteiligungen von Frauen und queeren Personen auf und erarbeiteten Lösungen. Das erste Mal in ostdeutschen Ländern abgehalten, fand die Tagung vom 12. bis 14. Juni 2026 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Kooperation mit dem Lehrstuhl von Jun.-Prof. Dr. Lucia Sommerer statt. „Recht arm“, „Recht ungesund“, „Recht machtlos“ – unter diesen Titeln standen die Themenschwerpunkte Ehe und Finanzen sowie Gesundheit und Gewaltschutz inhaltlich im Vordergrund. In Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden thematisierten 20 Referent:innen und ca. 70 Teilnehmende feministische Rechtsfragen, die im Jura-Studium bisher kaum institutionell verankert sind. Durch das Mitwirken zahlreicher Student:innen, Nachwuchswissenschaftler:innen, Rechtsreferendar:innen und Interessierten sollen Netzwerke entstehen, juristische Mittel zur Verteidigung der Demokratie in den Vordergrund rücken und feministische Perspektiven mehr Beachtung in der rechtswissenschaftlichen Forschung finden.
Recht als Verstärker sozialer Ungleichheit oder Werkzeug der Gerechtigkeit?
Die vierte Nachwuchstagung des Jungen Netzwerks Rechtsgeschichte „Ungleichzeiten – Ungleichheiten und Recht in gegenwärtigen Vergangenheiten“ fand vom 18. bis 20. Juni 2026 an der Humbold-Universität zu Berlin statt und nahm historische Verknüpfungen von Ungleichheiten und Recht in den Blick. ZEIT STIFTUNG BUCERIUS-Alumnus und Preisträger im Wettbewerb zum 100. Jubiläum der Hamburger Verwaltungsgerichtbarkeit, Christoph Schuh, ist Teil des Organisationsteams. An drei Tagen ging es in Beiträgen und Diskussionsrunden um „Begründungen“ von sozialer Ungleichheit durch Ideologien wie Antisemitismus, Rassismus und Sexismus. Vom Recht zu Kolonialzeiten in Kamerun bis zu rechtlichen Ursprüngen saisonaler Arbeitsmigration in Deutschland heute reflektierten die Teilnehmer:innen in Diskussionsrunden die Entstehung, Aufrechterhaltung und Verstärkung, aber auch die Bekämpfung und Beseitigung von Ungleichheiten durch Recht.
Objektivität im Recht: Ausgrenzung durch Neutralität?
Bei der „Postmigrantischen Jurist*innenkonferenz“ kommen im September 2026 erstmalig angehende Jurist:innen, die sich als jüdisch, migrantisiert oder von Rassismus betroffen verstehen, mit Zivilgesellschaft und Interessierten aus verwandten Disziplinen zusammen. Der 2021 gegründete gleichnamige Verbund veranstaltet die Konferenz vom 25. bis 26. September 2026 im Silent Green in Berlin. Das Programm dieser Premiere fokussiert sich auf drei Punkte, die in Impulsvorträgen, Workshops, Diskussionsrunden und Rechtswerkstätten bearbeitet werden: Das Hinterfragen der „Gebote“ Objektivität und Neutralität im Recht sowie die Frage nach der Notwendigkeit alternativer Konzepte in der postmigrantischen Gesellschaft. Auch die Normen des Rechts werden eingehend geprüft: In welchem Verhältnis stehen die formelle Gleichheit vor dem Gesetz und die tatsächliche Ungleichheit? Neben dem kritischen Blick auf das Recht werden auch Fragen zu Empowerment zur Diskussion gestellt: Was sind Möglichkeiten und Grenzen des Rechts als Mittel zur Emanzipation?