„Besuche in der alten Heimat“ – Publikation als Beitrag zum deutsch-jüdischen Nachkriegsverhältnis

Der 8. Mai steht für das Kriegsende und die Befreiung Deutschlands. Wie hat sich das deutsch-jüdische Nachkriegsverhältnis in den Jahrzehnten danach weiterentwickelt? In ihrer Dissertation gibt Lina Nikou einen historischen Überblick über die Geschichte der Einladungsprogramme für ehemals Verfolgte des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik. Die Dissertation „Besuche in der alten Heimat. Einladungsprogramme für ehemals Verfolgte des Nationalsozialismus in München, Frankfurt am Main und Berlin“ verfasste sie als Gerd Bucerius-Stipendiatin an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg sowie an der Universität Hamburg. Die ZEIT-Stiftung engagiert sich für Projekte zur Aufarbeitung der deutsch-jüdischen Geschichte und hat die Publikation mit einem Druckkostenzuschuss gefördert. 

In ihrer Dissertation gibt Lina Nikou einen historischen Überblick über die Geschichte der Einladungsprogramme für ehemals Verfolgte des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik. Sie untersucht diese Programme ab den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Der Fokus liegt auf den Interaktionen zwischen Vertretern der Städte und ihren einst verfolgten Bürgern im Ausland. Die Autorin analysiert am Beispiel dreier Großstädte, was diese bewog, Einladungen auszusprechen und aus welchen Gründen die Emigrierten die Einladungen annahmen. Welche Aspekte der Vergangenheit und der Gegenwart wurden thematisiert, welche ausgespart? Welche Gefühle kamen zur Sprache und welche Wirkung hatten sie? Wie standen moralische Überlegungen, Vergebung und Verantwortung aber auch Wiedergutmachungsbestrebungen damit in Beziehung?

Die Reisen in die „alte Heimat“ waren in der Regel einmalig und dauerten ein bis zwei Wochen. Die Teilnehmer und Beobachter dieser Begegnungen hielten die Zusammentreffen in Briefen, Gedichten, Erinnerungstexten, Zeitungsartikeln und Fotografien fest. „Rückblickend müssen die Einladungsprogramme […] als gemeinsames Projekt von Personen in Deutschland und einst Verfolgten im Ausland bewertet werden. Dazu gehört, die Emigrantengemeinschaft beziehungsweise Individuen aus dieser Gemeinschaft als Akteure ernst zu nehmen“, schlussfolgert Lina Nikou. Ein Interview mit der Autorin finden Sie hier, ausführliche Informationen zur Dissertation hier