Mit dem Aktionslabor „Redaktionelle Gesellschaft“, gefördert von der Brost-Stiftung und der Dieter von Holtzbrinck Stiftung, schaffen wir als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS eine mobile und interaktive Ausstellung zum Thema Nachrichtenkompetenz. Das Labor soll Menschen gleichermaßen informieren, durch Irritation Aufmerksamkeit generieren und auf niedrigschwellige, unterhaltsame und unkomplizierte Art ein Nachdenken über den Umgang mit Informationen anregen. Zielgruppe sind vor allem Erwachsene, die sich bisher wenig mit (Des-)Information auseinandergesetzt haben und für die es weniger Angebote zu Nachrichtenkompetenz gibt als beispielsweise für Kinder und Jugendliche.
Das Aktionslabor ist Teil unseres Themenfokus „Redaktionelle Gesellschaft“ im Bucerius Lab, der auf der Medientheorie von Prof. Dr. Bernhard Pörksen aufbaut. Das Konzept der „Redaktionellen Gesellschaft“ beschreibt ein (noch) utopisches Zusammenleben, in dem alle Menschen kompetent mit Informationen und Medien umzugehen wissen und damit auf gleicher Grundlage im digitalen und physischen Raum teilnehmen können. Denn: Eine informierte Gesellschaft ist die Grundlage einer funktionierenden Demokratie. In der Redaktionellen Gesellschaft ist Menschen dabei bewusst, dass sie mit ihrem Umgang mit Informationen die gesellschaftliche Kommunikation mitgestalten. Ihnen ist klar, dass es eine beständige Reflexion des eigenen Kommunikationsverhaltens braucht.
Genau dieses Wissen bringen wir im Aktionslabor in die praktische Anwendung: Die Hands-on-Ausstellung haben wir gemeinsam mit der Kreativagentur lilazwei gestaltet und mit weiteren Akteuren erarbeitet. Das Ergebnis besteht aus mehreren Säulen, in die die folgenden Stationen integriert sind.
Während die Säulen kurz und prägnant zu verschiedenen Aspekten der Nachrichtenkompetenz informieren, warten an einer der Stationen Bonbons auf die Besucher:innen. Während der süßen Stärkung können die Besucher:innen reflektieren, wie sie Nachrichten konsumieren und mit dem übriggebliebenen Bonbonpapier abstimmen, zu welchem von vier Nachrichtentypen sie gehören.
Eine Säule weiter dient die VR-Anwendung von PlayersJourney dazu, den Besucher:innen über VR-Brillen emotional zu vermitteln, wie irreführend und reduktiv Schlagzeilen und Informationsausschnitte sein können und wie viel Wert darin liegt, sich umfassend zu informieren.
In der Game-Anwendung „Citizen Quest“ von Imaginary wiederum lösen Besucher:innen gemeinsam Aufgaben in einer fiktiven Stadt und stellen dabei idealerweise fest, dass Herausforderungen auch im Umgang mit Informationen gewinnbringend gemeinsam gelöst werden können. Denn: Zu den Zielen des Aktionslabors zählt auch, Menschen, die einander zufällig an Alltagsorten begegnen, kurzfristig in den Austausch zu bringen. Das Aktionslabor bleibt dabei unterhaltend und belehrt nicht; es soll zwar eine kurze Irritation erzeugen, aber kein generelles Misstrauen gegenüber Medien.
Ähnlich aufgebaut wie ein Wahl-O-Mat, lädt der „Perspekt-O-Mat" des Responsible Design Labs dazu ein, die eigene Meinung zu medienpolitischen und gesellschaftlichen Themen zu reflektieren. Durch Impulse, die dazu anregen, sich auch mit der gegenteiligen Position auseinanderzusetzen, können Benutzer:innen einen Perspektivwechsel vornehmen und einen ersten Schritt in Richtung Austausch mit Andersdenkenden machen. So fördert der Perspekt-O-Mat eine konstruktive Streitkultur.
Das Modul „K.I.N.D." des Game-Theater-Kollektivs Machina eX kommt als analoges Telefon daher. Durch die telefonische Interaktion mit der Stimme des Jungen „Lenni“ wird den Besucher:innen vor Augen geführt, wie Deepfakes wirken. Denn Lenni baut am Telefon Vertrauen auf, stellt sich aber als KI-generiert heraus. K.I.N.D. veranschaulicht, welche Verantwortung in den Händen der Entwickler:innen und Anwender:innen von KI liegt und sensibilisiert für Deepfakes.
Seit 2024 tourt das Aktionslabor durch Bibliotheken und Ausstellungsorte. Inzwischen sind fünf verschiedene Aktionslabore im Einsatz. Hier sind die kommenden Stationen einsehbar.
Das Aktionslabor gibt es auch als Mini-Version mit drei Stationen im leicht transportierbaren Koffer. Mit einer Mail an aktionslabor@zeit-stiftung.de können Interessierte das große oder kleine Labor für Nachrichten- und Informationskompetenz bestellen und spielerisch vor Ort aufklären.