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© Laura Müller / ZEIT STIFTUNG BUCERIUS
Feierlicher Auftakt für die Initiative „LYRIK laut!“ in Hamburg

„Gedichte können dich halten“, so schreibt es die Lyrikerin und Künstlerin Nora Gomringer im Buch „Laut vor Leuten!“, das sie gemeinsam mit Rainer Moritz und Holger Pils als Begleitwerk für den Lyrik-Wettbewerb „LYRIK laut!“ herausgebracht hat. Und wie warm die Umarmung der Lyrik sein kann, war Anfang September in Hamburg zu spüren: Im Moot Court der Bucerius Law School feierten Lyrik-Fans, Schüler:innen und Behörden-Vertreter:innen gemeinsam den feierlichen Auftakt der Initiative „LYRIK laut!“, die wir als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS gemeinsam mit Seiteneinsteiger e.V. ins Leben gerufen haben.

„LYRIK laut!“ ist ein Schüler:innenwettbewerb, der jungen Menschen in der 9. und 10. Klasse zu mehr Selbstwirksamkeit verhelfen und sie durch das Vortragen von Lyrik darin bestärken soll, ihre eigene Meinung zu vertreten – als laute Stimme, vor Leuten. Zum Start sind bereits 36 Hamburger Schulen mit rund 2.800 Schüler:innen Teil des Projekts. Im Laufe des Wettbewerbs nähern sich die Schüler:innen über kreative Vermittlungsansätze Gedichten und präsentieren die Werke in einem zweiten Schritt selbst auf der Bühne. Um jenes Sprechen vor Publikum zu schulen, setzen sich die Teilnehmenden nicht nur mit dem Text selbst, sondern auch mit den verschiedenen Aspekten der Lyrik-Performance wie Sprache, Stimme und Körperpräsenz auseinander. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung und der Behörde für Kultur und Medien und mit Unterstützung des Netzwerks Lyrik e.V. und des Jungen SchauSpielHauses Hamburg umgesetzt.

„Als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS wollen wir junge Menschen dazu ermutigen, für sich einzustehen und ihren Standpunkt selbstbewusst klarzumachen“, sagte Manuel Hartung, Vorstandsvorsitzender der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, zum Start des Programms. „Mit ‚LYRIK laut!‘ geben wir ihnen eine Bühne, auf der sie genau das lernen können: sicher auftreten, überzeugend reden, auch vor großem Publikum. Wir sind überzeugt von der Kraft der Poesie: Sie erschließt nicht nur die Welt, sondern schafft auch einen Zugang zu sich selbst.“ Der Auftakt der Initiative fand am Tag der Veröffentlichung der neuesten Pisa-Studienergebnisse statt, in denen deutsche Schüler:innen so schlecht abschnitten wie noch nie zuvor. Die Lesefähigkeit hat der Studie zufolge in vielen Ländern nachgelassen; in Deutschland erreicht jede:r dritte 15-Jährige beim Lesen und in Mathematik nicht das grundlegende Kompetenzniveau, in den Naturwissenschaften ist es ungefähr jede:r Vierte.  „Mit Blick auf diese Ergebnisse wollen wir auch ein Zeichen setzen, dass Bildung richtig Freude machen kann“, so Hartung.

Wettbewerb für Freude an Lyrik, Poesie – und Bildung

Diese Freude war beim Auftakt in Hamburg spürbar: Zusammen tauchten die Beteiligten schon an diesem Abend in die Welt der Poesie ein und genossen die große Performance aus Musik und Poesie, „Farben für Annette von Droste-Hülshoff – Songs, Stories, Lieder & Lyrik“ von Nora Gomringer, Lyrikerin und Schirmherrin von „LYRIK laut!“, und ihrer Band aus Philipp Scholz, Philip Frischkorn und Andris Meinig.

Zuvor hatten Dr. Tatiana Matthiesen, Bereichsleiterin Bildung & Erziehung bei der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, und Nina Kuhn, Geschäftsführerende Vorständin von Seiteneinsteiger e.V., das Projekt aus Initiatorinnen-Perspektive vorgestellt. Die Vorbereitung eines solchen Wettbewerbes benötige vor allem Vertrauen und Zeit, erläuterten die Hauptverantwortlichen mit großem Dank an alle Teams und Unterstützer:innen, „jetzt aber freuen wir uns ganz bewusst auf eine Lernreise“, so Tatiana Matthiesen.  

„Ein wichtiger Beitrag für Bildungsgerechtigkeit und Demokratie“

Im anschließenden Bühnengespräch mit der Leiterin des Jungen Literaturhauses Berlin, Stefanie Ericke-Keidtel, schilderten Senatsdirektor Markus Pitz, Amtsleiter Kultur der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, und Frank Scherler von der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung, warum beide Behörden das Projekt von Anfang an unterstützen. Ein Wettbewerb wie „LYRIK laut!“ schaffe einen nahbaren Zugang zu Poesie, ganz wie es beispielsweise die Musik tut, erläuterte Pitz, der Frage folgend: „Was kann ich damit anfangen, ganz persönlich – und was ist Lyrik eigentlich?“ Durch die im Laufe des Wettbewerbs erlernten Fähigkeiten in Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit sei die Auseinandersetzung mit Lyrik auch ein „wichtiger Beitrag für Bildungsgerechtigkeit, Demokratie und Ermächtigung“, so Frank Scherler.

Großes Finale im Mai 2027

Die erste Runde des Wettbewerbs „LYRIK laut!“ läuft bis zum Frühjahr 2027. Zum Start erhalten alle beteiligten Lehrkräfte und Schüler:innen den Gedichtband „Laut vor Leuten“ mit 66 deutschsprachigen Gedichten, vom Barock bis in die Gegenwart. In der Zeit bis zum Finale durchlaufen die Schulen mehrere Phasen, in denen sich die Klassen mit Gedichten auseinandersetzen und sich die Schüler:innen für den Solovortrag von Gedichten vor Publikum vorbereiten. Die ausgewählten Jugendlichen werden im Anschluss zu einem eintägigen Workshop mit hochkarätigen Profis aus den Bereichen Sprecherziehung und Schauspiel ins Junge SchauSpielHaus eingeladen. Dort können sie ihre Beiträge weiterentwickeln und für das Finale einreichen. Anschließend werden 10-15 Schüler:innen von einer Jury ausgewählt und stehen am 24. Mai 2027 beim großen Finale mit ihrer Performance auf der Bühne des Ernst Deutsch Theaters. Hier kürt die Jury drei Preisträger:innen, auch ein Publikumspreis wird vergeben. Die Preise sind mit insgesamt 3.000 Euro dotiert.

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