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Max Pechstein, Das Paar (Interieur), 1921, Kunstmuseum Bochum
Bucerius Kunst Forum stellt Kollektionen 15 jüdischer Sammler:innen aus

Am Alten Wall 12 in Hamburg kommen sie wieder zusammen, die Werke aus 15 bedeutenden Sammlungen moderner Kunst von deutschen Jüdinnen und Juden vor 1945, rekonstruiert – und bisher weltweit verstreut. In der Ausstellung „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland“ sind rund 100 Werke von Künstler:innen wie Paul Cezanne, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker, Claude Monet, Max Pechstein und Pablo Picasso zu sehen, gezeigt vom 11. September bis Ende März 2027. Die Gemälde, Grafiken und Skulpturen reichen von der Zeit des Realismus und Impressionismus bis hin zu Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Die Ausstellung wurde von der Direktorin des Hauses, Dr. Kathrin Baumstark, und Stefan Koldehoff konzipiert und kuratiert und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.  

Individuelle Lebensgeschichten der Sammler:innen finden neben der Kunst statt

Die Kurator:innen und das Team des von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS gegründeten Ausstellungshauses wollen mit der Ausstellung die wichtige Kulturleistung und wegweisende Rolle jüdischer Sammler:innen vor 1945 wieder ins Bewusstsein rücken. Die Werke stammen aus den Sammlungen von Paaren, Familien und Einzelpersonen, darunter die Familie Hirschland, Paul und Clothilde Schüler, Martha und Walter Blank, Max Meirowsky, Rosa Schapire und Margarete Mauthner. Neben den Werken werden auch ihre individuellen Lebensgeschichten und Persönlichkeiten mit Fotografien und zahlreichen Zeitdokumenten in der Werkschau dargestellt: Das Verfolgungsschicksal der Sammler:innen während der Schoah sowie die damit einhergehende Zerschlagung ihrer Kollektionen sind wesentlicher Bestandteil des Ausstellungskonzepts. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden die Sammler:innen selbst oder ihre Angehörigen verfolgt, entrechtet, enteignet und ins Exil vertrieben oder ermordet. Politischer Druck, Zwangssteuern, Ausreiseverbote, Vermögenssperren und Devisenauflagen zwangen sie in diesem Kontext häufig zur Aufgabe ihrer Bestände.

Jede Sammlung erhält Raum in der Ausstellung

In der Ausstellung werden die zusammengetragenen Werke jetzt in jenem historischen Kontext präsentiert, denn: Nach 1945 verstreuten sich die Kunstwerke über alle Kontinente und gelangten in private oder institutionelle Sammlungen, wobei die Vorgeschichte teils nicht mehr bekannt war, oft aber auch bewusst verschleiert wurde. Jeder Sammlung ist in der Ausstellung nun ein Raum gewidmet, in dem die Begegnung mit den Kunstwerken sowie mit den Persönlichkeiten und ihrer Geschichte möglich ist – bis in die Gegenwart. Besonders prägnant bleibt dabei die Offenheit der Sammler:innen für neue Stilrichtungen und Ausdrucksformen moderner Kunst in Erinnerung. Ihre öffentliche Unterstützung dieser Kunstformen in Museen, Kunstvereinen und Publikationen, die Kooperation mit Galerist:innen und die direkte Förderung von Künstler:innen spielten eine große Rolle. Neben ihrer Sammeltätigkeit engagierten sich viele Sammler:innen zu Lebzeiten außerdem für die Gesellschaft, zum Beispiel durch die Förderung moderner Kunst in öffentlichen Institutionen oder durch privates Mäzenatentum.

Umfangreiches Veranstaltungsprogramm beleuchtet u. a. Erinnerungskultur

Die Ausstellung wird von einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm begleitet. Wir als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS veranstalten mit Fokus auf Erinnerungskultur unter anderem am 22. September eine thematisch angelehnte Ausgabe unserer Reihe „HörSalon“ mit NDR Kultur. An diesem Abend kommen unter dem Titel „Die Zukunft der Erinnerung: Wie sich das Gedenken wandeln muss“ die Autorin und Journalistin Susanne Siegert (@keine.erinnerungskultur), der Historiker Jacob Eder und die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann zusammen, um über den Status deutscher Erinnerungskultur zu sprechen. Weitere Ausgaben der Reihe finden am 27. Oktober und im Februar 2027 statt.

Die Podiumsdiskussion „Antisemitismus ist keine Meinung!“ am 16. November thematisiert die Gefahr von Antisemitismus für Menschen, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Publizist Michel Friedman diskutiert u. a. mit Oliver von Wrochem, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Moderiert wird das Gespräch von der Journalistin und Autorin Shelly Kupferberg.

Am 8. Oktober ist der Jüdische Salon zu Gast im Bucerius Kunst Forum: Prof. Dr. Anna Augustin, Expertin für jüdische Kunstmatronage, spricht unter dem Titel „Ein Frauenleben für die Kunst: Margarete Mauthner“ mit Rebecca Herlemann, Kuratorin im Bucerius Kunst Forum, über eine der prägendsten Sammlerinnen und Mäzeninnen Berlins um 1900. Im November und Januar werden in Kooperation mit dem Literaturhaus Hamburg außerdem Schreibworkshops in der Ausstellung für Schulklassen der Jahrgangsstufen 5 bis 13 kostenfrei angeboten.

Mit „Alle haben Themen“ startet außerdem eine neue Veranstaltungsreihe der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS in Kooperation mit dem LIT – Literaturzentrum Hamburg, die sich als Einladung zum Austausch zwischen Kunst, Literatur und Publikum versteht. Das neue Format eröffnet einen Raum, in dem große gesellschaftliche Themen konkret und persönlich verhandelt werden. Zum Auftakt am 12. November begegnen sich Marica Bodrožić und Sasha Marianna Salzmann zum Thema „Unsicherheit“. Den zweiten Abend der Reihe am 16. Februar gestalten die Autor:innen Max Czollek und Martina Hefter zum Thema „Einsamkeit“. Auch die literarische Reihe „Was bleibt – Zeitlose Texte für kurzlebige Zeiten“ kehrt mit vier Abenden innerhalb der Laufzeit der Ausstellung zurück. Die Ausgaben widmen sich den Werken von Mascha Kaléko, Gertrude Stein, „Parzival“ von Wolfram Eschenbach und „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee.

Weitere Veranstaltungen des Bucerius Kunst Forums, u. a. auch Kurator:innen-Rundgänge und Familienprogramm, finden Sie HIER.

Weitere Ausstellungen zu jüdischer Geschichte und Kunst in Hamburger Museen

Parallel zur Werksschau im Bucerius Kunst Forum finden weitere Ausstellungen in Hamburger Museen zu jüdischem Leben und Kunst statt: Das Museum MARKK zeigt seit dem 28. August 2026 die Schau „Zuschreibung: Jüdisch – Fragen an die Geschichte des MARKK“. Anhand der als verschollen geltenden Sammlung der Hamburger Gesellschaft für jüdische Volkskunde erzählt die Ausstellung Objektgeschichten und Biografien vom frühen 20. Jahrhundert bis heute und hinterfragt dabei die Klassifizierung ‚jüdischer Objekte’ sowie die Rolle des Museums im Nationalsozialismus. Im Altonaer Museum widmet sich die Ausstellung „Menschen & Orte. Hamburgs jüdische Geschichte“ ab dem 12. November indes vielfältigem jüdischen Leben in Geschichte und Gegenwart in Hamburg.

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