Das Bild anderer Kulturen in Flugblättern des 16. und 17. Jahrhunderts

Workshop von Kateřina Pražáková

Was wussten die Bewohner Europas im 16. Jahrhundert über andere Kulturen, die zu ihren Nachbarn gehörten? Wie stellten sie diese dar? Welche Stereotypen entstanden damals und dauern bis heute?

Das werden wir zusammen aufgrund der reich illustrierten Flugblätter entdecken. Diese Flugblätter wurden zu meist verbreiteten Nachrichtenmedien der frühen Neuzeit. Sie vermittelten alle wichtigeren Nachrichten. Dazu enthielten sie effektvolle Illustrationen und Kommentare, mittels deren ihre Autoren die Leser beeinflussten. Man kaufte sie auf Märkten, Messen, sowie von Buchdruckern, Kolporteuren und anderer Händlern sowie bei wandernden Schauspielern.

Zusammen werden wir entdecken, wie in diesen Flugblättern drei verschiedene Kulturkreise dargestellt wurden: die Türken, die Russen und die Bewohner von damals exotischen Amerika und Afrika. Wir werden uns auf deren Beschreibung und besonders Bilddarstellung konzentrieren und beobachten, wie etliche Stereotype entstanden. Neben sachlichen Informationen enthielten nämlich die Flugblätter auch manche propagandistische Kommentare, die sich zwar mit der politischen Situation änderten, aber doch oft zu beharrlichen Attributen wurden.



   

Kateřina Pražáková studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistik an der Masaryk Universität in Brünn. Seitdem wirkt sie an dem Institut für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Südböhmischen Universität in Budweis. Sie erforscht den Inhalt von handgeschriebenen Zeitungen sowie gedruckten Flugblättern des 16. und 17. Jahrhunderts und setzt sich mit der Problematik der Beziehungen zwischen verschiedener Kulturen auseinander. Dabei befasst sie sich besonders mit den Kontakten zwischen der Habsburgermonarchie und den Ländern Osteuropas vom Ende des 15. bis zur Mitte des 17. Jahrhundert. Im Jahre 2013 verteidigte sie die Dissertation über das Bild von Polen-Litauen und Russland in den handgeschriebenen Zeitungen des 15. und 16. Jahrhunderts und in 2015 gab sie diese Arbeit in der Form einer Monografie heraus. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit leitet sie ein Team, das im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projekts der EU didaktische Programme für Mittelschulen vorbereitet und neue Lernmaterialien für Gymnasiallehrer entwickelt.


Kateřina Pražáková erhielt von 2007-09 ein Stipendium der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius im Rahmen des Doktorandenprogramms "Deutschland und seine östlichen Nachbarn".