Rasender Stillstand: Welche Spuren hinterlässt die Pandemie in der Gesellschaft?

Neue Veranstaltungsreihe mit sechs digitalen Lunch Sessions ab dem 24. Februar 2021

Infektionsketten verfolgen, Kranke versorgen, Impfstoffe entwickeln: Während die einen im Wettlauf gegen die Zeit arbeiten, sind andere mit ihrem Leben im Lockdown völlig zum Stillstand gekommen. Die Gedanken rasen jedoch weiter: wie bekomme ich Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut, wie halte ich mich mit meinem Geschäft über Wasser, welche Perspektiven habe ich als Künstler? Und wie bleibe ich in Verbindung mit den Menschen, die mir wichtig sind?

In seinem 1990 erschienenen Essay „Rasender Stillstand“ beschrieb der französische Philosoph und Medienkritiker Paul Virilio, wie moderne Technologien uns Bewegung ermöglichen, ohne dass wir uns vom Fleck bewegen. So können wir auch im Lockdown eine Theatervorführung besuchen, uns in andere Wohnzimmer schalten oder Dinge einkaufen und bezahlen – alles vom Sofa aus. Besonders in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und einem weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens bauen uns solche Technologien eine Brücke zu Orten, an denen wir nicht sein können, und zu Menschen, die wir nicht treffen dürfen. Gleichzeitig merken wir, dass „Distant Socializing“ auf Dauer kein Ersatz für reale Begegnungen ist, und sehnen uns danach, unseren Radius wieder zu erweitern.

In der neuen Bucerius-Lab-Veranstaltungsreihe „Rasender Stillstand – Welche Spuren hinterlässt die Pandemie in der Gesellschaft?“ wollen wir reflektieren, wie sich die aktuelle Krise auf uns als Individuen, aber auch auf die soziale Gemeinschaft auswirkt. In sechs Lunch Sessions sprechen wir mit Gästen aus Wissenschaft und Kultur über neue Alltagsphänomene und Gewohnheiten im Lockdown – sei es in Sachen Kommunikation, Wohnen, Konsum, Mobilität oder Nachhaltigkeit. Welche Erkenntnisse lassen sich daraus ableiten? Wie gehen wir mit der Geschwindigkeit des digitalen Fortschritts einerseits und dem Gefühl des Stillstands unseres Lebens andererseits um? Was lehrt uns die Pandemie über unsere Rolle in der (Welt-)Gesellschaft? Und wie schaffen wir es, Perspektiven für ein besseres „Danach“ zu entwickeln – ohne zu wissen, wann das sein wird?

Zum Auftakt der Reihe am Mittwoch, 24. Februar um 12 Uhr moderiert Christine Watty, Deutschlandfunk Kultur, eine Gesprächsrunde zu der Frage „Wie geht es uns nach einem Jahr Pandemie? Über Abstand, Zeitgefühl und Krisenbewältigung“. Zu Gast sind: Hartmut Rosa, Professor für Soziologie an der Universität Jena, der vor allem durch seine Resonanztheorie bekannt wurde; Jule Specht, Professorin für Psychologie an der Humboldt-Universität Berlin und Autorin; Jürgen P. Rinderspacher, Zeitforscher, Wirtschaftssoziologe, Theologe und Lehrbeauftragter an der Universität Münster.

Weitere Gäste der Reihe sind u.a. der Zukunftsforscher Stephan Rammler, die Berliner Clubbetreiberin und Mitgründerin von „UnitedWeStream“ Pamela Schobeß, der Promenadologe Martin Schmitz und die Konsumforscherin Andrea Gröppel-Klein.

„Rasender Stillstand“ ist eine digitale Veranstaltungsreihe der ZEIT-Stiftung in Zusammenarbeit mit Holtzbrinck Berlin und Wissenschaft im Dialog.

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