Franz Liszt und Haruki Murakami: Die zeitlose Sehnsucht nach der verlorenen Jugend

In Haruki Murakamis Roman „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ taucht ein Klavierstück von Franz Liszt mit dem Titel „Le mal du pays“ - zu deutsch: Heimweh als wesentliches Motiv auf. Der junge Held wird ohne Begründung aus dem bis dahin verschworenen Freundeskreis verstoßen. Er fällt in eine Depression, seine nicht abgeschlossene Jugend lastet wie ein Fluch auf ihm. Das Klavierstück von Franz Liszt wird für ihn zum Erinnerungsmotiv – auch Liszt thematisiert in seiner Musik Selbstfindung, Abschied, Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Über Jahrhunderte hinweg scheinen die Fragen die gleichen zu sein: Wann endet die Jugend, und wodurch? Was verlieren wir, wenn wir erwachsen geworden sind?  In der fünften Folge des Podcasts Zeitgeister geht es um einen Extremfall des Erwachsenenwerdens.

Jedes Stück Musik ist ein Produkt seiner Zeit; es erzählt von der Gegenwart, aber es verarbeitet auch frühere kulturelle Formen. Im Podcast „Zeitgeister“ folgt der Kulturjournalist Ralf Schlüter den Spuren, die in berühmten Songs und Musikstücken angelegt sind. Es geht um geheime Botschaften und politische Statements, kulturelle Archetypen und Utopien. Ralf Schlüter verbrachte große Teile seiner Jugend in Plattenläden, Buchhandlungen und Museen und hatte schon immer einen Hang zu Querverbindungen: eine Zeile von Bob Dylan brachte ihn auf den Dichter Ezra Pound, ein Patti-Smith-Plattencover auf die zeitgenössische amerikanische Fotografie. Alle weiteren Folgen hier.